Der Körper als Text der Stadt – über das Projekt

oder Einblicke in die Produktion von Urbanität:
Eine performative Dokumentation

Wie bewegt sich ein Mensch, der versucht zu vergessen?
Wie bewegt sich ein Mensch, der versucht unsichtbar zu sein?

Eine Handbewegung im Raum und in der Zeit – gerade noch gewesen und schon verschwunden. Und doch hat sie etwas erzählt, sich eingeschrieben in den Raum und ihn geformt, den Abdruck einer Stimmung hinterlassen. Vielleicht hat sie jemand gesehen, aber heisst das auch, dass sie wahrgenommen wurde? Vielleicht kann ich die Bewegung nicht deuten, aber ich kann Zeugin sein.

In unserem Körperhandeln zeigt sich, wie wir uns innerhalb einer sozialen Ordnung, innerhalb eines sozialen Raums positionieren. Im Grunde geht es mir darum, diesen Raum durch die körperlichen Aktivitäten und Botschaften, resp. die Körperbilder lesen zu lernen.

Diese Arbeit ist eine Dokumentation von körperlichen Ausdrucksformen im öffentlichen Stadtraum. Wann und wie werden wir sichtbar? Was sagen Menschen, wenn sie sich bewegen? Wie strukturieren körperliche Handlungen öffentliche Plätze, wie sehr sind in die Bewegungen soziale Zusammenhänge eingeschrieben? Wo weisen die Bewegungen und Gesten über ihre eigene Grenze hinaus?

Entstanden ist eine Sammlung von rund 100 Gesten und Bewegungen, die an ausgewählten Stellen in Basel beobachtet, aufgezeichnet und katalogisiert wurden. Der Körper und seine Artikulationsformen werden zum Text der Stadt, den ich mir wie einen Theatertext aneigne und interpretiere.

Die Dokumentation kann als eine Art gestisches Wörterbuch für Performer und Schauspieler oder als eine Methode für Stadtforschung für städtisches Verhalten dienen.

Ein Projekt im Rahmen des Masters of Arts in Transdisziplinarität der Zürcher Hochschule der Künste
Textarbeit zur Masterthesis

WEB_Nocon